Karnitz

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Karnitz / Karnice (1840-1945)

Ferdinand Ludwig Elbe (mein Urururgroßvater) kaufte in der zweiten Jahreshälfte 1840 die Güter Karnitz, Nitznow, Gützelfitz und Neides vom Kaufmann Wietzlow zu Stettin.

Erinnerungen an Karnitz, Elisabeth von Duelong, geb. von Elbe (1864-1949)

„Mein Vater, Julius Christian August Oskar von Elbe, wurde in Stettin erzogen, studierte in Bonn, war zu längerem Aufenthalt in Paris und Italien, ehe sein Vater ihm Carnitz mit den anliegenden Neides, Nitzow und Gützelfitz übergab.

Carnitz mit altem schönen Schloß und daneben liegendem Kavalierhaus, das früher dem Grafen Carnitz gehörend, seit Jahren nur von Inspektoren geführt war, sollte für meinen Vater hergerichtet werden. Aber zu großem Leidwesen fand er bei seiner Rückkehr das alte Schloß zerstört, die festen Mauern auseinandergesprengt. Nur noch die äußersten Kreuzgewölbe hatten der Verwüstung widerstanden. Ein betrügerischer Baumeister hatte den kränklichen Großvater dazu vermocht und mit Einsturz des Schlosses gedroht in der Hoffnung, es neu bauen zu dürfen. Auf der Ruine baute mein Vater dann einen Kornspeicher – das Kavalierhaus, in dem sich die aus dem Schloß geretteten Gobelins und Gemälde der Grafen Carnitz ect. Fanden, wurde zu unserem schönen Elternhaus ausgebaut und mit einem großen Flügel erweitert.

Mein Vater besaß großen Schönheitssinn, und Carnitz wurde mit seinem großen, im Jahre 1881 erheblich vergrößerten Park, seinen Palmen und Treibhäusern, seinem herrlichen Spaliergarten, dem schön ausgebauten Haus und seiner vornehmen Einfahrt, in seiner ganzen Eigenart ein wundervoller Besitz. Das alte Potsdam -Sanssouci- mit den geschorenen Hecken und Pyramiden hatte es meinem Vater angetan, und die Vorfahrt zu unserem Haus von zwei liegenden Hirschen flankiert, das große Rondell mit einer wundervoll riesigen Edeltanne als Mittelpunkt, umgeben von Pyramiden, von geschorenen Taxus- und Lebensbäumen, von einem breiten Kranz blühender Blumen umgeben, und gegen die Umwelt von dichten immer grünen Bäumen und Pflanzen abgeschlossen, war ein immer wieder Bewunderung und Freude erweckender Anblick.


Schloss Carnitz, Anfang des 19. Jahrhundert

Vordem war dieser Platz der Dorfteich gewesen, eine Pappelallee von der noch wenige Riesenbäume leben und von alten Zeiten erzählen können, hatte die am Haus vorbeigehende Fuhrstraße umsäht.

Mein Vater hat unendlich viel geschaffen – Die von seinem sparsamen Vater in schlechtem Zustand hinterlassenen Hoflagen und Arbeiterhäuser und Ställe in Carnitz und Neides neugebaut und wenn er auch manchmal ein wenig darüber seufzte, mit dem altem Wort:

            „bauen ist eine Lust, hätt´ ich gewusst, was es kust, ich hätt´s gelust“

so hatte er doch seine Freude an seinem großen Werk. Oft sagte er freilich, wenn man es lobte: „Was ich habe tun können, ist bald vergessen, und wenn ich tot bin, wird man höchstens fragen: Was hat denn der alte Mann überhaupt getan?“


Rondell mit Blick auf das Eingangsportal von Schloss Carnitz

 

Sicht vom Park

Das relativ große schlossartige Herrenhaus (54 Meter lang) wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Der langgestreckte Barockbau (16 × 3 Achsen, Mansarddach, Eckquaderung, Streichrichtung Nordwest–Südost) verfügte straßen- beziehungsweise südwestseitig über einen zwei- oder vierachsigen Mittelrisalit (Eckquaderung, ohne Giebelabschluss) mit vorgelagerter Veranda und Auffahrt, wobei sich Letztere durch ein massives, von Postamenten gestütztes Geländer auszeichnete. Etwa 40 Meter südwestlich des Hauptportals wurde die Zuwegung von zwei Torpfeilern tangiert. Auf jedem der beiden Pfeiler zog das mächtige Geweih einer in liegender Position dargestellten Hirschskulptur die Blicke auf sich.

Das Karnitzer Herrenhaus stand im nordwestlichen Parkbereich in der Nähe der Straßengabel Zirkwitz–Neides. Berühmt war das Haus aufgrund seiner 15 holländischen Wirkteppiche, die der örtlichen Überlieferung zufolge von dem 1689 in Den Haag verstorbenen Gesandten Erasmus Konrad von Karnitz erworben worden sein sollen. Bei den Teppichen handelte es sich um folgende Exemplare:

  1. Weiher im Walde, drei Meter hoch und zwei Meter breit
  2. Der Raub der Sabinerinnen, 2,8 Meter hoch und 4,3 Meter breit
  3. Der Tod der Virginia, 2,8 Meter hoch und 3,2 Meter breit
  4. Der Tod der Kleopatra, 2,8 Meter hoch und zwei Meter breit
  5. Minerva, 2,8 Meter hoch und zwei Meter breit
  6. Die Verstoßung der Hagar, 3,2 Meter hoch
  7. Die Königin von Saba, 3,2 Meter hoch und 2,8 Meter breit
  8. Das Urteil Salomos, 3,2 Meter hoch und 2,2 Meter breit
  9. unbekannt
  10. Joseph nimmt Abschied von den Eltern
  11. Esther nimmt Abschied von den Eltern
  12. Der verlorene Sohn bei dem Wucherer, etwa 1,5 Meter hoch und einen Meter breit
  13. Der verlorene Sohn in der Spielhölle
  14. Der verlorene Sohn als Schweinehirt
  15. Der verlorene Sohn, seine Wiederaufnahme in das Vaterhaus

Der hier in Rede stehende Barockbau und seine wertvolle Innenausstattung sind freilich schon seit Langem unwiederbringlich verloren. 

Der Karnitzer Park ist etwa elf Hektar groß. Die umfangreiche Anlage wird mittig von einem Bachgraben durchzogen, über den sich vormals drei Brücken spannten. Noch heute kann man in dem ansonsten verwilderten Terrain mehrere Baumriesen aus dem 19. Jahrhundert in Augenschein nehmen. (Quelle: Karnitz – Gutslandschaft Pommern – Pommerscher Greif e.V. (gutslandschaft-pommern.de)


Torzufahrt zum Schlosshof

 

Zufahrt vom Schloss zum Gutshof

 

Gutshof

 

Hühner auf dem Gutshof

Größe des Rittergutes Karnitz 1905:

Insgesamt 734 ha (davon 483 ha Acker, 92 ha Wiesen, 120 ha Weiden, 19 ha Holzungen und 20 ha Umland)

Auf Karnitz wurden zu dieser Zeit 34 Pferde, 170 Rinder, 941 Schafe und 246 Schweine gehalten.

Besitzer war zu diesem Zeitpunkt Georg Oskar von Elbe (mein Urgroßvater).


 

Schafe  (Erinnerung meiner Großmutter, Ruth von Elbe)

„Ich kaufte nicht  nur einen Zuchtbullen oder einen Zuchthengst in der Zeit, sondern ich fuhr oft mit dem Schäfermeister zu den Auktionen, um wieder einmal einen Schafbock zu kaufen. Wir hatten 1.000 Schafe und da brauchte die Herde 10 Böcke. Einmal im Jahr wurden die Schafe geschoren, dann kam eine Kolonne mit einer Waschanlage, denn die Schafe wurden vor der Schur alle gebadet, damit die Wolle etwas sauberer wurde und das Gewicht der Wolle neutraler war. Von der Wollverwertung bekamen wir dann neben der Abrechnung ein bestimmtes Quantum an grauer und weißer Wolle zurück. Das war natürlich in der Kriegszeit eine angenehme Zugabe, und so konnte ich für die Kinder alles selber stricken. Vom Unterhemdchen und Unterhöschen in weiß bis zum Pullover, Hosen, sowie Schals, Mützen Handschuhe und Strümpfe in grau. Natürlich waren auf dem Lande auch alle Lebensmittel bewirtschaftet. Milch, Butter, Eier und Getreide. Es wurde für jeden Betrieb ein Ablieferungs-Soll festgelegt von der Bauernschaft, es drohte Strafe, wenn man das Soll nicht erfüllte.“


Arbeiterhäuser (hinter dem Kirchhof)