Einiges aus der Geschichte der Familie Elbe (Elben)
von Elbe-Carnitz, von Elbe

Aufzeichnungen von Kurt von Elbe *14.04.1871 +03.07.1957


Im Kreise Wolfshagen im Hessenwald wird ein anmutiges Waldtal von einem zur Eder strebenden Flüsschen durchströmt; der Fluß heißt E l b e, der nahe Wald ist die „Elbsche Mark“, am Unterlauf liegt das Dorf E l b e n, das überragt wird von Burg und Schloß E l b e r b e r g. Burgherren waren im Mittelalter mächtige, in der hessischen Geschichte fortlebende Dynasten; ein Conrad von Elben war Kanzler der Herzogin Sophie von Brabant; seinem Einfluß verdankte es die Herzogin, dass ihr Sohn Heinrich, Enkel der Hl. Elisabeth, erster Langdraf von Hessen wurde. Das Geschlecht erlosch in Hessen Mitte des 16. Jahrhunderts, blühte aber nach Siebmachers Wappenbuch fort in Radomeuschel (Sachsen) von 1688 – 1752.

Am großen, aus dem 13. Jahrhundert stammenden Turm der Burg Elberberg ist ein Wappen eingemeißelt, das auf dem Schilde einen mit 3 heraldischen Lilien besteckten Schrägrechtsbalken zeigt; dasselbe Wappen befindet sich farbig – roter Schild, silbern der Balken und die Lilien- im Burginnern.
Das gleiche Wappen führt unsere Familie in ihren 3 Zweigen. Dieser Gleichklang von Wappen und Namen führte meinen Vater, dem wir die genealogische Erforschung unserer Familie verdanken, zu der Annahme, dass ein Zusammenhang unserer Familie mit dem alten hessischen Elbens sehr wahrscheinlich sei, zumal die adlige Herkunft der Familie, deren Mitglieder sich früher vielfach Elben genannt haben, von den Altvorderen immer betont worden ist, außerdem aber die Tatsache besteht, dass ein Vorfahr aus dem Reich nach Pommern eingewandert ist. Aber urkundliche Beweise für diese Annahme fehlen, und so bleibt uns nur eine schöne und stolze Überlieferung. Ich möchte sie bei dem lebhaften Interesse welches die ältere Generation für sie bekundet hat, nicht der Vergessenheit anheim fallen lassen.

Eine sehr lange Zeit vergeht, aber dann kommen schriftliche Nachrichten, namentlich in der Carnitzer Familienbibel, die glaubwürdig sind, weil sie sich stützen auf einen noch von meinem Vater bezeugten Lehnbrief d. d. Querhameln 21. Okt. 1667. Hiernach war der Vater des Inhabers des Lehnbriefes

Heinrich von Elben
geb. etwa 1600, Rittmeister in schwedischen Diensten; er lebte in Hameln, wo er 1661 gestorben sein soll.  Sein Sohn, der Inhaber des genannten Lehnbriefes

Jobst Heinrich Elben

geb. etwa 1651, ist „als junger Mensch aus dem Reiche etwa 1667 nach Pommern mit dem Domdechanten von Köller“ gekommen. Er blieb in Köllerschen Diensten, wahrscheinlich in Staeven bei Cammin; Weitere Urkunden über Jobst Heinrich sind wegen eines Kirchenbrandes nicht vorhanden.  Nun aber beginnt mit seinem Sohn

Bogislaw Wilhelm Elben
die urkundlich bestätigte Stammreihe der Familie. Bogislav Wilhelm ist am 5.4.1699 geboren  und am 25.11.1782 in Baumgarten (Kreis Cammin) gestorben. 43 Jahre hat er das zur königlichen Domäne auf der Insel Wollin gehörige Cörthentin als „Archendator“ (Gutsverwalter) verwaltet.  Bogislaw Wilhelm muss als der Stammvater unserer Familie gelten und die Insel Wollin als ihr Ursprungsort.  Sein Sohn

Franz Ernst Elbe(n)
geb. 24.04.1737 zu Cörthentin, gestorben 08.06.1812 zu Moitzow, muss nach seinem Lebensbilde ein ungewöhnlich tüchtiger Mann gewesen sein. Nach den Worten des alten Onkel Wilhelm Morgow stand er „als Ehrenmann in jeder Hinsicht da, so daß ihm der von Lepel seine Tochter gab“. Dies war der Landrat von Lepel a/d Hause Chinnow.

Franz Elbe war zunächst Pächter von Chinnow, dann heiratete er Dorothea Luise von Lepel. Infolge dieser Heirat durfte er im Jahre 1776 das Rittergut Morgow, etwa 2900 Morgen groß, kaufen. Damals hielt Friedrich der Große streng darauf, dem Adel den Besitz der Rittergüter zu erhalten, daher heißt es z.B. in hinterlassenen Briefen, daß „das Gutt Hoff mit königl. Allerhöchsten Consens gekauft, auch diese königl. Genehmigung zur Übertragung von Morgow durch Franz Ernst eine sehr bedeutsame Angelegenheit, sie hat der ganzen Familie großen Segen gebracht. Denn nunmehr konnten Franz Ernst und Dorothea Luise, allerdings mit größter Sparsamkeit, wie es in einem Briefe ausdrücklich heißt, ein nicht unbeträchtliches Vermögen erwerben. Jeden der vier Söhne konnten sie mit einem Rittergut nach dem damaligen Sprachgebrauch „etablieren“.